Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal in einem Beitrag erklärt, mit welchen Techniken beim Garnwechsel ein neuer Faden angesetzt werden kann. Dabei bleiben in der Regel ein Stückchen End- und auch Anfangsfaden übrig, die vernäht werden müssen. Eine echt lästige Arbeit, die viele Strickerinnen und Stricker überhaupt nicht lieben. Mühevoll ist es gar, wenn das Strickstück aus vielen unterschiedlich farbigen Streifen besteht. Um das zu vermeiden, gibt es eine geniale Lösung: Das Einweben der Fäden direkt während des Strickens.
Die Vorteile
- Das lästige Vernähen entfällt – wie ich oben schon genannt habe.
- Die eingewebten Fäden auf der Rückseite fallen kaum auf.
- Die Fäden sind sicher verankert und bieten zusätzliche Stabilität.
Das Einweben der Fäden erfordert etwas Übung, aber mit ein paar einfachen Schritten erlernst du diese Technik ganz leicht.
Das Einweben von Fäden grundsätzlich
Wenn ein Garnwechsel ansteht, solltest du den Restfaden des alten und des neuen Knäuels ruhig etwas länger lassen (15 – 20 cm). Das erleichtert dir das Einweben. Ist der Faden zu kurz wird es nämlich kniffelig.
Willst du einen Fadenrest einweben, wird er beim Stricken der folgenden Reihe/Runde auf der Rückseite mitgeführt. Den neuen Faden, den Arbeitsfaden, hältst du, wie beim Stricken gewohnt, in deiner linken Hand. Den Fadenrest klemmst du zwischen Daumen und Mittelfinger der linken Hand ein.
Beim Stricken der nächsten Maschen führst du die rechte Nadel von Masche zu Masche abwechselnd einmal über /einmal unter dem Fadenrest hindurch, holst dir den Arbeitsfaden und ziehst ihn durch die Maschenöse der Vorreihe/-runde. Dadurch wird bei jeder zweiten Masche der Fadenrest zwischen Arbeitsfaden und Masche eingeklemmt.
So webst du den Endfaden ein
Wir beginnen mit dem Einweben des restlichen Fadens vom bereits verstrickten Knäuel. Das kann am Reihenanfang oder auch in der Mitte des Strickstücks sein. Stricke die erste Masche mit dem neuen Faden. Im Anschluss nimmst du den Restfaden zwischen Daumen und Mittelfinger. Halte ihn hinter der Arbeit.

(A) Es folgt die nächste Masche. Stich mit der rechten Nadel in die Masche ein, führe die Nadelspitze unter dem Restfaden hindurch und greife den Arbeitsfaden. Ziehe ihn durch die Masche.

(B) Um die nächste Masche zu stricken, ziehst du den Restfaden nach unten, denn in diesem Fall führst du die Nadelspitze über den Fadenrest zum Arbeitsfaden.

Bei den nächsten Maschen wiederholst du A und B. Das heißt, der Arbeitsfaden für die nächste Masche wird mit der rechten Nadelspitze abwechselnd einmal unter, bei der darauf folgenden Masche über dem einzuwebenden Faden gegriffen. Diese Schritte solltest du über mindestens 8 – 10 Maschen wiederholen.

Das Einweben des Anfangsfadens
Es ist überhaupt kein Problem, den Anfangsfaden in der nächsten Hinreihe bzw. in der nächsten Hinrunde – nach bekannter Technik – einzuweben.
Bei Verwendung eines dicken Garnes könnte die Stelle allerdings zu dick werden, wenn du den Anfangsfaden parallel zum Endfaden einarbeitest. Befindet sich der Garnwechsel mittig im Strickstück, empfehle ich dir, den Anfangsfaden ca. 8 – 10 Maschen vor der Stelle, an der der an der der Wechsel zu einem neuen Knäuel stattgefunden hat, einzuweben.
Stoppe also in der nächsten Hinreihe/-runde 8 – 10 Maschen vor der ursprüngliche Garnwechselstelle. Führe das Fadenende mit der Schnittstelle hinter der Arbeit zur nächsten Masche, die gestrickt werden soll. Stricke die folgende Masche und klemme dabei das Fadenende zwischen dem Arbeitsfaden und der Masche ein.

Führe bei der folgenden Masche die rechte Nadel unter den einzuwebenden Faden und greife so den Arbeitsfaden zum Stricken der Masche.

Du weißt was jetzt folgt: Den Anfangsfaden ziehst du nach unten, damit du die folgende Masche ganz normal – oberhalb des Anfangsfadens – stricken kannst.

Arbeite die nächsten Maschen abwechselnd mal unter, mal über dem Anfangsfaden bis an die Stelle, an der der Faden beginnt. Nun ziehe am Anfangs- und am Endfaden, damit lockere Fadenreste geglättet werden. Im Anschluss dehnst du das Gestrick wieder ein wenig auf. So kommt wieder Elastizität in das Strickstück.

Nun kannst du die beiden Fadenreste abschneiden und fertig ist das Einweben der Fäden.

Das Einweben beim Stricken in Runden
Bei diesen Mustern ist das Einweben der Fäden möglich
- Bei meinem Beispiel habe ich die Maschen in einer glatt rechts gestrickten Probe eingewebt.
- Wenn du kraus rechts arbeitest, dann ist das Einweben ebenfalls in den Hinreihen möglich. Wird kraus rechts in Runden gestrickt, so webst du die Fäden in den Runden mit den rechten Maschen ein.
- Auch bei Strickmustern, bei denen auf der Vorderseite jede zweite Masche eine rechte Masche ist, gelingt das Einweben von Anfangs- und Endfaden. Das kann ein 1×1-Rippenmuster oder auch ein Perlmuster sein.
Hier solltest du das Einweben von Fäden eher meiden
Das Einweben bietet im Grunde eine gute Möglichkeit direkt beim Stricken den Anfangs- und Endfaden zu sichern. Wenn allerdings auch die Rückseite sichtbar sein soll, wie z. B. bei einem Schal, dann solltest du die Fäden lieber vernähen. Denn wie du bei meinem obigen Beispiel siehst, fallen die eingewebten Fäden auf der Rückseite sofort ins Auge.
Auch würde ich dir in diesem Fall empfehlen, den Fadenwechsel an den Rand des Strickstücks zu legen.



Schreibe einen Kommentar