Garn ohne Banderole

Garn ohne Banderole – so findest du alle wichtigen Informationen heraus

Bestimme Material, Lauflänge und Nadelstärke einfach selbst und sicher durch Tests, wenn es keine Banderole gibt..

Du hast ein schönes Knäuel, aber das Garn ohne Banderole gibt dir Rätsel auf? Genau so ging es mir auch: Seit Jahren liegt ein dickes Knäuel ganz hinten im Stash – ein Geschenk, aber ohne jede Angabe. Und dennoch lohnt es sich, solche Schätze genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn mit ein paar einfachen Methoden kannst du viele Eigenschaften selbst bestimmen.

Warum die Banderole so wichtig ist

Üblicherweise geben die Banderolen wertvolle Auskünfte über das Garn.

Normalerweise liefert dir die Banderole alle entscheidenden Infos: Material, Lauflänge, Gewicht und empfohlene Nadelstärke. Doch wenn du Garn ohne Banderole hast, fehlt genau diese Orientierung. Deshalb heißt es:

selbst analysieren statt raten.

Garn ohne Banderole – Mit der Brennprobe bestimmst du das Material

Der erste Schritt ist die Faserbestimmung.

Gerade bei Garn ohne Banderole ist es entscheidend zu wissen, aus welchen Fasern dein Garn besteht. Denn das Material beeinflusst nahezu alles – vom Tragegefühl, dem Maschenbild und der Verarbeitung bis zur Pflege deines Projekts.

Eine bewährte Methode zur Faserbestimmung ist die Brennprobe.

Bevor du startest, beachte folgende Sicherheitspunkte:

  • ⚠️ Führe sie unbedingt draußen in einer zugfreien Umgebung durch!
  • ⚠️ Nutze dabei eine feuerfeste Unterlage, wie eine Steinplatte, eine Feuerschale etc.
  • ⚠️ Zudem solltest du einen Eimer mit Wasser zum Löschen bereitstellen.

Weiter benötigst du ein

  • ein Stück deines Garnes von ca. 3 – 5 cm ,
  • eine Zange zum Festhalten des Garnes und
  • ein Feuerzeug.
So kann man eine Brennprobe durchführen. Bitte beachte unbedingt die Sicherheitshinweise.

Unter Einhaltung der Sicherheitspunkte greifst du mit der Zange das Garnstück und zündest es an. Beobachte dabei die Reaktion des Garnes sowie die Flamme, den Geruch und den Rückstand:

Tierische Fasern wie Wolle, Kaschmir oder Seide brennen eher langsam und beginnen dabei leicht zu brodeln. Der entstehende Geruch erinnert deutlich an verbrannte Haare oder Horn. Zurück bleibt eine schwarze, glänzende Asche, die sich leicht zwischen den Fingern zerreiben lässt.

Pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf brennen hingegen schnell mit einer hellen Flamme und glühen anschließend noch nach. Der Geruch ähnelt verbranntem Papier oder Holz. Die Asche ist grau oder weiß und fühlt sich weich an.

Synthetische Fasern wie Polyester, Nylon oder Acryl zeigen ein ganz anderes Verhalten: Sie schmelzen beim Erhitzen, tropfen und brennen gleichzeitig. Dabei entsteht ein deutlich chemischer, plastikartiger Geruch. Als Rückstand bleibt eine harte, dunkle Perle zurück, die sich nicht zerdrücken lässt.

Viskose, die zu den Zellulosefasern gehört, brennt ähnlich schnell wie Baumwolle. Der Geruch ist leicht stechend und erinnert ebenfalls an verbranntes Papier. Es bleibt nur sehr wenig feine, graue Asche übrig.

Was ist aber, wenn mein Garn aus Mischfasern besteht?

Wenn du Garn ohne Banderole hast, wird es bei Mischfasern etwas kniffliger. Denn hier zeigen sich meist Kombinationen aus verschiedenen Reaktionen.

Typisch ist, dass das Garn nicht eindeutig reagiert, sondern mehrere Merkmale gleichzeitig auftreten:

Ein Garn mit Wollanteil und synthetischen Fasern kann zum Beispiel teilweise brennen und gleichzeitig schmelzen. Du bemerkst dann sowohl den Geruch nach verbrannten Haaren als auch einen leicht chemischen, plastikartigen Geruch.

Bei Mischungen aus Baumwolle und synthetischen Fasern kann es sein, dass das Garn schnell brennt, aber gleichzeitig kleine harte Rückstände entstehen. Die Asche ist dann nicht nur weich, sondern enthält auch feste, dunkle Kügelchen.

Einige typische Anzeichen für Mischfasern:

  • Unterschiedliche Gerüche während des Brennens
  • Kombination aus Brennen, Glühen und Schmelzen
  • Uneinheitlicher Rückstand (Asche + harte Perlen)

Die Hinweise zur Brennprobe stammen aus der klassischen Textilkunde und entsprechen den üblichen Methoden zur Bestimmung von Fasern.

Garn ohne Banderole – so berechnest du die Lauflänge

Wenn du Garn ohne Banderole hast, hilft dir eine einfache Rechnung, die Lauflänge abzuschätzen.

Hier ein konkretes Beispiel:

Du misst zunächst 10 Meter Garn ab und wiegst diese. In meinem Fall wiegen 10 Meter 2 Gramm (gemessen mit einer Haushaltswaage – für eine grobe Berechnung völlig ausreichend).

10 Meter Garn wird gewogen, um die Lauflänge zu berechnen
10 Meter werden gewogen.

Das bedeutet:
1 Meter Garn wiegt 0,2 Gramm.

Garn ohne Banderole - das Garnknäuel wird gewogen.
Das gesamte Garnknäuel wird gewogen.

Mein gesamtes Knäuel wiegt 187 Gramm.

Nun rechnest du:
187 g ÷ 0,2 g pro Meter = 935 Meter Lauflänge

Das ergibt also eine geschätzte Lauflänge von ca. 935 Metern für das gesamte Knäuel.

Berechnung

Möchtest du den Wert auf 100 Gramm umrechnen, rechnest du:

935 m ÷ 187 g × 100 g = ca. 500 m pro 100 g

Mit etwa 500 m auf 100 g bewegst du dich im Bereich eines eher feineren Garns – vergleichbar mit Sockenwolle oder leichten Garnen für Tücher.

Hinweis zur Genauigkeit

Die Messung mit einer Haushaltswaage ist absolut ausreichend, wenn du eine grobe Orientierung suchst. Für exaktere Ergebnisse – etwa bei aufwendigeren Projekten – kann eine Feinwaage sinnvoll sein.

So findest du die richtige Nadelstärke

Auch die passende Nadelstärke lässt sich bei Garn ohne Banderole bestimmen:

Lege das Garn über die Löcher eines Nadelmaßes. Wird ein Loch vollständig ausgefüllt, entspricht das ungefähr der passenden Nadelstärke.

Nadelstärke bestimmen bei Garn ohne Banderole

Allerdings solltest du dich darauf nicht blind verlassen. Eine Maschenprobe ist entscheidend. Nur so siehst du, ob dein Maschenbild gleichmäßig wirkt. Falls nötig, arbeite mit einer halben Nadelstärke mehr oder weniger.

Fazit: Garn ohne Banderole ist kein Problem

Auch wenn zunächst wichtige Informationen fehlen – Garn ohne Banderole muss kein ungelöstes Rätsel bleiben. Mit Brennprobe, etwas Mathematik und einer Maschenprobe kannst du die wichtigsten Eigenschaften selbst herausfinden.

So wird aus einem vergessenen Knäuel im Stash vielleicht doch noch dein nächstes Lieblingsprojekt.


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Barbara

Kommt aus Köln. Tüftelt täglich an neuen Ideen & Anleitungen. Besucht gerne Handarbeitsmessen und knüpft immer zufällig neue Kontakte. Sie ist die erfahrenste Strickerin unter den Autoren. Alle Artikel von Barbara ansehen.

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