Garn mischen Titelbild

Kreativ Garne mischen: Wenn aus zwei Garnen ein ganz neues entsteht

Vielleicht entsteht dabei etwas, womit ihr gar nicht gerechnet habt: euer ganz eigenes Garn – und daraus ein Strickstück, das es so garantiert kein zweites Mal gibt.

Manchmal liegen Garne jahrelang im Vorrat, weil man einfach keine richtige Idee dafür hat. Genau so erging es mir mit einigen Knäueln Silkhair Print. Die Farben gefielen mir, der Farbverlauf war wunderschön – und trotzdem wusste ich nicht so recht, was daraus werden sollte.

Einfädig lässt sich Silkhair Print mit Nadelstärken von etwa 4 bis 5 mm verstricken. Dabei entsteht ein dünnes Gewebe, prima für leichte Tücher, aber für einen Pulli? Also doppelt verstricken? Der Gedanke lag nahe, aber ich war überzeugt: Damit würde der schöne Farbverlauf bestimmt nicht mehr funktionieren.

Bis ich auf eine andere Idee kam: Warum nicht einfach Garne mischen?

Ein buntes Garn trifft auf Dunkelblau

Mein erster Versuch war eine Kombination aus dem bunten Silkhair Print und einem dunkelblauen Sockengarn. Das Sockengarn war ein Tweedgarn, das ich mit einem hellen Garn als Kontrast für Streifen und den Halsausschnitt ergänzte.

Schon beim Stricken wurde es spannend. Der Farbverlauf des Silkhair Print blieb nicht einfach so, wie er im Knäuel aussah. Durch das Dunkelblau veränderten sich die Farben optisch. Manche Farbtöne wirkten kräftiger, andere gedämpfter. Aus dem ursprünglichen Verlaufsfaden entstand gemeinsam mit dem Grundgarn beinahe eine neue Farbwelt.

Am Ende war ein Pulli entstanden, den ich so aus keinem fertigen Farbverlaufsgarn hätte stricken können.

Farben mischen - es ist ein Pulli mit spannendem Muster entstanden.

Und das Beste: Das Silkhair Print war noch immer nicht aufgebraucht.

Der zweite Pulli – und eine neue Überraschung

Also ging das Experiment in die nächste Runde.

Für den zweiten Pulli suchte ich ein Grundgarn in Rosa aus. Rosa kam auch im Silkhair Print vor, deshalb war ich neugierig, wie sich die Kombination entwickeln würde.

Unterschiedliche Garne ergeben einen Pulli

Beim Stricken zeigte sich erneut, wie stark die Grundfarbe das Erscheinungsbild eines Verlaufsgarns beeinflussen kann. Besonders bei Orange war ich zunächst skeptisch. Würde das wirklich harmonieren? Würde das Ergebnis am Ende zu bunt werden?

Genau diese Unsicherheit gehört für mich inzwischen zum Reiz des Garnemischens.

Und weil ich nicht sicher war, ob mein rosafarbenes Grundgarn für den gesamten Pulli reichen würde, durchsuchte ich noch einmal meinen Vorrat. Dabei entdeckte ich 2 1/2 Knäuel eines flauschigen Garns in Beigebraun, Reste von meinem flauschigen Cardigan – und siehe da: Auch dieser Farbton kam im Silkhair Print vor.

Zusammen mit einem unifarbenen Silkhair entstand daraus schließlich ein ganz anderer Pulli mit interessanten Streifen.

Garne mischen bedeutet: Farben neu entdecken

Beim Stricken mit zwei Fäden geht es also nicht nur darum, ein dünnes Garn dicker zu machen. Man kann damit ganz bewusst Farben verändern und neue Farbtöne entstehen lassen.

Ein Verlaufsfaden kann mit einer Uni-Grundfarbe völlig anders wirken als im ursprünglichen Knäuel. Ein dunkles Garn kann die Farben kräftiger erscheinen lassen, während ein helles Garn für einen weicheren Gesamteindruck sorgen kann.

Und genau deshalb finde ich das Mischen von Garnen so spannend.

Dabei muss es übrigens nicht immer eine Kombination aus einem Verlaufs- und einem unifarbenen Garn sein. Auch zwei unterschiedliche Uni-Garne, verschiedene Materialien oder Garne mit unterschiedlicher Struktur können miteinander interessante Effekte ergeben.

Wichtig ist nur, dass die Garne miteinander harmonieren und sich beim Verstricken gut ergänzen. Eine Maschenprobe kann dabei helfen, vorab zu sehen, wie sich die Kombination verhält.

Ausprobieren statt perfekt planen

Normalerweise suchen wir beim Stricken häufig nach der perfekten Farbkombination. Wir vergleichen Farbnummern, legen Knäuel nebeneinander und versuchen uns vorzustellen, wie die Farben später im fertigen Strickstück aussehen werden.

Beim kreativen Garne mischen darf man meiner Meinung nach ruhig einmal anders vorgehen.

Ein Garn liegt schon lange im Vorrat? Dann holt es heraus.

Eine Farbe passt auf den ersten Blick nicht hundertprozentig? Trotzdem einmal danebenlegen.

Ein Restknäuel ist zu klein für ein eigenes Projekt? Vielleicht bekommt es gemeinsam mit einem anderen Garn eine neue Aufgabe.

Gerade Reste können dabei überraschend wertvoll sein. Sie müssen nicht immer zum bereits vorhandenen Projekt passen. Manchmal wartet irgendwo im Vorrat genau das Garn, das aus einem ungeliebten Knäuel plötzlich etwas Besonderes macht.

Das eigene Garn entsteht beim Stricken

Für mich ist genau das die schönste Erkenntnis aus meinen beiden Pullis: Durch das Verstricken von zwei Fäden entsteht optisch ein neues Garn.

Das Verlaufsgarn mit unterschiedlichen Farben ist noch dasselbe. Auch das jeweilige Grundgarn verändert seine Eigenschaften nicht. Aber gemeinsam erzeugen die beiden Garne eine völlig neue Wirkung.

Und damit eröffnet das Mischen von Garnen eine Menge kreativer Möglichkeiten.

Vielleicht verändert sich eine Farbe, die einem im Knäuel bisher nicht gefallen hat. Vielleicht wird ein Farbverlauf durch eine Uni-Farbe ruhiger. Vielleicht entsteht durch zwei unterschiedliche Strukturen eine interessante Oberfläche. Oder vielleicht entdeckt man eine Farbkombination, auf die man bei der Suche nach einem fertigen Garn niemals gekommen wäre.

Mein Fazit: Einfach mutig Garne mischen

Meine beiden Pullis sind keine Anleitung zum Nachstricken. Sie sollen vielmehr eine Anregung sein, beim eigenen Garnvorrat einmal genauer hinzusehen.

Mein Tipp deshalb: Seid beim Garne mischen ruhig kreativ und mutig. Holt verschiedene Knäuel aus dem Vorrat, legt sie zusammen und probiert aus, was passiert. Macht eine kleine Maschenprobe und lasst euch überraschen.

Denn vielleicht entsteht dabei etwas, womit ihr gar nicht gerechnet habt: euer ganz eigenes Garn – und daraus ein Strickstück, das es so garantiert kein zweites Mal gibt.


Du brauchst Tipps zum Stricken mit doppeltem Faden, dann schau doch einmal hier.

Barbara

Kommt aus Köln. Tüftelt täglich an neuen Ideen & Anleitungen. Besucht gerne Handarbeitsmessen und knüpft immer zufällig neue Kontakte. Sie ist die erfahrenste Strickerin unter den Autoren. Alle Artikel von Barbara ansehen.

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